Fachkräftebedarf und Zuwanderung bis 2040: warum der Kampf um Personal härter wird
Während die Pflegenachfrage steigt, schrumpft der Arbeitsmarkt insgesamt. Projektionen gehen davon aus, dass das Erwerbspersonenpotenzial ohne ausreichende Zuwanderung bis 2040 spürbar sinkt. Ich ordne die belegten Zahlen ehrlich ein – gesamtwirtschaftlich, nicht pflegespezifisch – und zeige, was daraus für die Pflege und für einzelne Anbieter folgt.
Stand:
Was heißt der Fachkräftebedarf bis 2040 für die Pflege?
Projektionen der Bertelsmann Stiftung (Kubis und Schneider, 2024) gehen davon aus, dass das gesamtwirtschaftliche Erwerbspersonenpotenzial ohne ausreichende Zuwanderung bis 2040 um rund 10 Prozent sinkt. Zur Stabilisierung wäre ein jährlicher Netto-Zuwanderungsbedarf von 288.000 bis 368.000 Personen nötig – ein gesamtwirtschaftlicher Wert für alle Branchen, kein pflegespezifischer. Für die Pflege ist die Folge dennoch klar: Die Nachfrage steigt, während der Pool an Arbeitskräften schrumpft. Der Wettbewerb um Personal wird härter – und entschieden wird er über Bindung, Integration und Sichtbarkeit, nicht über eine Makro-Zahl.
Für Leitung & Geschäftsführung
- Ohne ausreichende Zuwanderung sinkt das Erwerbspersonenpotenzial laut Projektion bis 2040 um rund 10 %, bis 2060 um 25 %.
- Die genannten 288.000–368.000 pro Jahr sind gesamtwirtschaftlich und ein Szenario – nicht pflegespezifisch.
- Für die Pflege heißt das: steigende Nachfrage trifft auf schrumpfenden Arbeitskräftepool – der Wettbewerb um Personal verschärft sich.
Die stille Verknappung: der Arbeitsmarkt schrumpft
Der Fachkräftemangel wird oft als vorübergehendes Problem beschrieben. Die demografische Projektion zeichnet ein anderes Bild: Ohne ausreichende Zuwanderung würde das gesamtwirtschaftliche Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland bis 2040 um rund 10 Prozent und bis 2060 sogar um 25 Prozent sinken. Das betrifft alle Branchen – und beschreibt einen langfristigen Trend, keine Delle.
Um diesen Rückgang auszugleichen, nehmen die Autoren einen jährlichen Netto-Zuwanderungsbedarf zwischen 288.000 und 368.000 Personen an. Beides sind Szenario-Berechnungen unter Annahmen – aber die Richtung ist eindeutig: Der Kuchen an verfügbaren Arbeitskräften wird kleiner.
−10 %
Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials bis 2040 ohne ausreichende Zuwanderung (gesamtwirtschaftlich, Projektion)
Kubis & Schneider (2024), Bertelsmann Stiftung
Was die Zahlen aussagen – und was nicht
Gerade bei solchen Zahlen ist Sorgfalt Pflicht, denn sie werden gern verkürzt. Damit hier keine falschen Schlüsse entstehen, die klare Trennung zwischen dem, was die Projektion aussagt, und dem, was ihr fälschlich zugeschrieben wird:
| Was die Projektion aussagt | Was sie nicht aussagt |
|---|---|
| Gesamtwirtschaftlicher Bedarf über alle Branchen | Kein pflegespezifischer Zuwanderungsbedarf |
| Ein Bereich: 288.000–368.000 Personen pro Jahr | Keine feste Einzelzahl |
| Netto-Zuwanderung pro Jahr bis 2040 | Kein einmaliger Gesamtwert |
| Ein Szenario unter Annahmen | Keine gemessene Tatsache |
Wer die Zahl korrekt einordnet, nutzt sie als Signal für einen Trend – nicht als konkrete Personalplanung für die eigene Einrichtung.
Warum das die Pflege besonders trifft
Für die Pflege verbindet sich der schrumpfende Arbeitsmarkt mit einer gegenläufigen Entwicklung: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt kräftig – allein zwischen 2017 und 2023 um über zwei Millionen, wie ich in den Zahlen zur Pflegebedürftigkeit gezeigt habe. Steigende Nachfrage trifft also auf einen kleiner werdenden Pool an Arbeitskräften.
Das ist die eigentliche Zuspitzung: Die Pflege konkurriert mit allen anderen Branchen um immer weniger Menschen – und braucht davon zugleich immer mehr. Der Wettbewerb um jede einzelne Fachkraft wird dadurch nicht vorübergehend, sondern strukturell härter.
Was Anbieter jetzt tun können
Die Makro-Zahlen kann kein einzelner Anbieter beeinflussen – die eigene Position im Wettbewerb aber sehr wohl. Vier Hebel entscheiden darüber, wer im schrumpfenden Markt noch Personal findet und hält.
Vier Hebel gegen die Verknappung
- 1
Bindung vor Gewinnung
Wer Menschen hält, muss weniger gewinnen. Verlässliche Dienste, Wertschätzung und Entwicklung wirken stärker als jede Kampagne.
- 2
Internationale Fachkräfte gut integrieren
Zuwanderung hilft nur, wenn Integration gelingt: Sprache, Anerkennung, Ankommen im Team – sonst gehen mühsam gewonnene Kräfte wieder.
- 3
Als Arbeitgeber sichtbar sein
Im schrumpfenden Markt findet, wer gefunden wird. Digitale Sichtbarkeit und eine glaubwürdige Arbeitgebermarke entscheiden mit.
- 4
Neue Zielgruppen erschließen
Quereinsteigende, Wiedereinsteigende und pflegende Angehörige erweitern den Kreis möglicher Bewerberinnen und Bewerber.
Meine Einordnung: kein einzelner Hebel reicht
Aus meiner Beratungspraxis warne ich vor zwei Fehlschlüssen: Zuwanderung weder als alleinige Rettung zu sehen noch sie kleinzureden. Die Projektionen zeigen einen klaren Trend – aber für den einzelnen Anbieter zählt nicht die Makro-Zahl, sondern die eigene Attraktivität und Bindungskraft.
Mein Rat: die großen Zahlen als Weckruf verstehen, aber die Energie in das Beeinflussbare stecken – Bindung, gelingende Integration, Sichtbarkeit und neue Zielgruppen. Wer darauf früh setzt, steht im härter werdenden Wettbewerb deutlich besser da als jene, die auf eine politische Lösung warten.
Häufige Fragen
Wie viele Zuwanderer braucht Deutschland bis 2040?
Nach der Analyse von Kubis und Schneider (Bertelsmann Stiftung, 2024) wäre ein jährlicher Netto-Zuwanderungsbedarf von rund 288.000 bis 368.000 Personen nötig, um das Erwerbspersonenpotenzial zu stabilisieren. Wichtig: Das ist eine gesamtwirtschaftliche Projektion für alle Branchen zusammen und ein Szenario unter Annahmen – keine pflegespezifische Zahl und kein gemessener Wert.
Was bedeutet der Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials für die Pflege?
Ohne ausreichende Zuwanderung sinkt das gesamtwirtschaftliche Erwerbspersonenpotenzial laut dieser Projektion bis 2040 um rund 10 Prozent, bis 2060 sogar um 25 Prozent. Für die Pflege ist das doppelt heikel: Die Nachfrage nach Pflege steigt, während der Pool an verfügbaren Arbeitskräften insgesamt schrumpft. Der Wettbewerb um Personal wird dadurch härter.
Ist Zuwanderung die Lösung für den Pflegepersonalmangel?
Zuwanderung kann einen Beitrag leisten, ist aber allein keine Lösung. Die genannten Zahlen sind gesamtwirtschaftlich und hängen von vielen Annahmen ab. Für einzelne Anbieter zählt am Ende weniger die Makro-Prognose als die eigene Attraktivität: gute Bindung, gelingende Integration internationaler Fachkräfte und digitale Sichtbarkeit entscheiden darüber, wer im schrumpfenden Markt noch Personal findet.
Woher stammen diese Zahlen?
Aus der Studie „Zuwanderung und Arbeitsmarkt – eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer“ von Alexander Kubis (IAB) und Lutz Schneider, herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung 2024. Es handelt sich um Szenario-Berechnungen zum Erwerbspersonenpotenzial, nicht um gemessene Ist-Werte – entsprechend vorsichtig sind sie zu lesen.
So arbeiten Sie mit diesem Thema in fokus>KI
Im härter werdenden Wettbewerb sichtbar und attraktiv bleiben
Gegen die Verknappung hilft kein Warten, sondern Handeln an den eigenen Hebeln: Bindung, Integration und digitale Sichtbarkeit. Genau dafür ist fokus>KI gemacht – KI-Software mit Beratung, die Arbeitgebermarke und Auffindbarkeit zusammenbringt. Den Rahmen setzt meine Strategieberatung.
Primärquelle
- Kubis & Schneider (2024), Bertelsmann Stiftung — Zuwanderung und Arbeitsmarkt – eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer (Szenarien zum Erwerbspersonenpotenzial)
Datenstand: Juli 2026
Die in diesem Beitrag genannten Statistiken stammen aus geprüften Primärquellen (Kubis & Schneider (2024), Bertelsmann Stiftung – Zuwanderung und Arbeitsmarkt) und wurden zuletzt im Juli 2026 überprüft. Neuere Ausgaben der Quellen arbeiten wir bei Erscheinen ein.
Über den Autor
Giovanni Bruno
Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus>KI. Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen – über 160 Projekte, von der Karriereseite bis zur Millionen-Reichweite.