Zuwanderung bis 2040, wie ich sie dem Gremium erkläre: rund 10 Prozent und 25 Prozent, gesamtwirtschaftlich
Ich lasse diese Prozentwerte nicht auf die Pflege schrumpfen. Kubis und Schneider rechnen für die Bertelsmann Stiftung das Erwerbspersonenpotenzial der gesamten Wirtschaft. Ohne ausreichende Zuwanderung sinkt es laut Projektion bis 2040 um rund 10 Prozent und bis 2060 um 25 Prozent. Was das für einen Träger bedeutet, sage ich erst, nachdem diese Grenze im Raum steht.
Stand:
Was nehme ich aus der Projektion bis 2040 mit in die Strategiesitzung?
Kubis und Schneider, Bertelsmann Stiftung 2024, rechnen das Erwerbspersonenpotenzial gesamtwirtschaftlich. Ohne ausreichende Zuwanderung: rund 10 Prozent weniger bis 2040, 25 Prozent weniger bis 2060. Zur Stabilisierung bräuchte es jährlich eine Netto-Zuwanderung von 288.000 bis 368.000 Personen. Beides gilt für alle Branchen zusammen, nicht für die Pflege allein, und beides ist ein Szenario unter Annahmen, kein gemessener Ist-Wert. Für einen Träger folgt ein härterer Wettbewerb um Menschen, entschieden über Bindung, Integration und Sichtbarkeit.
Für Leitung & Geschäftsführung
- Gesamtwirtschaftlich, nicht pflegespezifisch: ohne ausreichende Zuwanderung rund 10 Prozent weniger Erwerbspersonenpotenzial bis 2040 und 25 Prozent bis 2060.
- 288.000 bis 368.000 Personen Netto-Zuwanderung pro Jahr sind ein Szenario für alle Branchen, keine Pflegequote und keine feste Einzelzahl.
- Die Pflege trifft ein schrumpfender Arbeitskräftepool der Gesamtwirtschaft bei gleichzeitig steigender Nachfrage. Der Wettbewerb um Personal wird dadurch härter.
Die gesamtwirtschaftliche Spanne, die ich zuerst klarstelle
Der erste Satz in dieser Sitzung stellt die Reichweite klar, bevor irgendjemand die Prozentwerte auf offene Pflegestellen umrechnet. Die Studie „Zuwanderung und Arbeitsmarkt – eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer“ von Alexander Kubis (IAB) und Lutz Schneider, Bertelsmann Stiftung 2024, betrachtet das Erwerbspersonenpotenzial der Gesamtwirtschaft. Ohne ausreichende Zuwanderung würde dieses Potenzial bis 2040 um rund 10 Prozent und bis 2060 um 25 Prozent sinken. Das betrifft alle Branchen. Es beschreibt einen langen Trend der Wirtschaft, keine Delle eines Pflegejahres und keine Quote offener Stellen in der Altenpflege.
Um diesen Rückgang auszugleichen, setzen die Autoren einen jährlichen Netto-Zuwanderungsbedarf zwischen 288.000 und 368.000 Personen an. Auch das ist gesamtwirtschaftlich. Es ist eine Spanne, kein einzelner Sollwert für einen Träger, und es ist eine Szenario-Rechnung unter Annahmen, kein gezählter Zugang an der Grenze. Die Richtung, die ich dem Gremium zumute, bleibt trotzdem eindeutig: Der Pool verfügbarer Arbeitskräfte der gesamten Wirtschaft wird kleiner, wenn die Zuwanderung nicht ausreicht.
Ich schreibe „gesamtwirtschaftlich“ und „alle Branchen“ ins Protokoll, weil die Verkürzung auf die Pflege der häufigste Fehler in dieser Runde ist. Wer aus rund 10 Prozent bis 2040 eine Pflege-Lücke von 10 Prozent macht, hat die Quelle verlassen. Dieselbe Grenze gilt für die 25 Prozent bis 2060.
−10 %
Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials bis 2040 ohne ausreichende Zuwanderung (gesamtwirtschaftlich, Projektion)
Kubis und Schneider, Bertelsmann Stiftung, 25. November 2024
Warum ich 2040 und 2060 nicht auf die Pflege herunterrechne
Gerade diese Zahlen werden gern verkürzt, und ich gehe die Verkürzung in der Sitzung aktiv durch. Die Projektion sagt etwas über die Gesamtwirtschaft. Sie sagt nicht, wie viele Menschen die Pflege bis 2040 aus dem Ausland braucht. Sie nennt keine feste Einzelzahl, sondern den Bereich von 288.000 bis 368.000 Personen pro Jahr. Sie meint Netto-Zuwanderung je Jahr bis 2040, nicht einen einmaligen Gesamtwert, den man durch die Zahl der Träger teilt. Und sie bleibt ein Szenario unter Annahmen, keine gemessene Tatsache.
| Was die Projektion aussagt | Was sie nicht aussagt |
|---|---|
| Gesamtwirtschaftlicher Bedarf über alle Branchen | Kein pflegespezifischer Zuwanderungsbedarf |
| Ein Bereich: 288.000–368.000 Personen pro Jahr | Keine feste Einzelzahl |
| Netto-Zuwanderung pro Jahr bis 2040 | Kein einmaliger Gesamtwert |
| Ein Szenario unter Annahmen | Keine gemessene Tatsache |
Wer die Zahl in dieser Grenze hält, nutzt sie als Signal für einen Trend der gesamten Wirtschaft. Wer sie als Stellenplan der eigenen Einrichtung liest, überfordert die Quelle. Ich lasse das Gremium die rechte Spalte laut vorlesen, bevor wir über Maßnahmen sprechen. Rund 10 Prozent bis 2040 und 25 Prozent bis 2060 bleiben dabei, was sie sind: Rückgänge des gesamtwirtschaftlichen Erwerbspersonenpotenzials in einer Projektion ohne ausreichende Zuwanderung.
Wo die Pflege trotzdem härter konkurriert
Dass die Prozentwerte nicht pflegespezifisch sind, macht sie für einen Träger nicht folgenlos. Es macht die Folge nur ehrlicher. Die Pflege trifft auf dieselbe schrumpfende Basis an Arbeitskräften wie jede andere Branche, und sie trifft gleichzeitig auf eine Nachfrage, die steigt. Die Zahl der Pflegebedürftigen ist zwischen 2017 und 2023 um über zwei Millionen gestiegen, wie ich in den Zahlen zur Pflegebedürftigkeit ausbreite. Steigende Nachfrage trifft einen kleiner werdenden Pool. Dieser Pool ist der der Gesamtwirtschaft, nicht ein reserviertes Pflege-Reservoir.
Die Zuspitzung, die ich formuliere, bleibt deshalb zweistufig. Erstens konkurriert die Pflege mit allen anderen Branchen um weniger Menschen. Zweitens braucht sie von diesen Menschen zugleich mehr, weil die Versorgung wächst. Daraus wird der Wettbewerb um jede Fachkraft strukturell härter. Er wird nicht zu einer Pflege-eigenen Zuwanderungsquote von 10 oder 25 Prozent. Diese Umrechnung mache ich nicht, und ich lasse sie im Raum auch nicht stehen, wenn sie jemand aus den Balken abliest.
Internationale Fachkräfte sind in diesem Bild ein Teil der Antwort der Gesamtwirtschaft, kein exklusives Pflegeprogramm der Studie. Ob und wie ein Träger sie gewinnt, ist eine eigene operative Frage. Die strategische Frage dieser Sitzung ist eine andere: Wir konkurrieren auf einem Arbeitsmarkt, dessen Potenzial ohne ausreichende Zuwanderung bis 2040 um rund 10 Prozent und bis 2060 um 25 Prozent schrumpft, gesamtwirtschaftlich gerechnet.
Die Hebel, die ein Träger beeinflussen kann
Die Makro-Spanne von 288.000 bis 368.000 Personen im Jahr kann kein Aufsichtsrat beschließen. Die eigene Position im Wettbewerb kann er beeinflussen. Vier Hebel entscheiden mit, wer Personal findet und hält, während der gesamtwirtschaftliche Pool enger wird. Ich hänge sie nicht an eine erfundenen Pflegequote, sondern an das, was im Haus steuerbar ist.
Vier Hebel gegen die Verknappung
- 1
Bindung vor Gewinnung
Wer Menschen hält, muss weniger gewinnen. Verlässliche Dienste, Wertschätzung und Entwicklung wirken stärker als jede Kampagne.
- 2
Internationale Fachkräfte gut integrieren
Zuwanderung hilft nur, wenn Integration gelingt: Sprache, Anerkennung, Ankommen im Team – sonst gehen mühsam gewonnene Kräfte wieder.
- 3
Als Arbeitgeber sichtbar sein
Im schrumpfenden Markt findet, wer gefunden wird. Digitale Sichtbarkeit und eine glaubwürdige Arbeitgebermarke entscheiden mit.
- 4
Neue Zielgruppen erschließen
Quereinsteigende, Wiedereinsteigende und pflegende Angehörige erweitern den Kreis möglicher Bewerberinnen und Bewerber.
Diese vier Hebel ersetzen die Projektion nicht und sie verengen sie nicht. Sie sind die Antwort auf einen Wettbewerb, der über alle Branchen läuft. Bindung senkt den Ersatzbedarf. Integration entscheidet, ob internationale Kolleginnen und Kollegen bleiben. Sichtbarkeit entscheidet, ob der Träger in einem engeren Markt überhaupt gefunden wird. Neue Zielgruppen erweitern den Kreis, ohne so zu tun, als hätte Kubis und Schneider eine Pflege-Sollzahl geliefert.
Was ich dem Aufsichtsrat als Beschluss vorschlage
Zwei Fehlschlüsse lasse ich nicht ins Protokoll. Der eine macht Zuwanderung zur alleinigen Rettung der Pflege und rechnet die 288.000 bis 368.000 Personen still auf das eigene Haus herunter. Der andere redet die Projektion klein, weil sie kein gemessener Ist-Wert ist. Beides verfehlt die Quelle. Die Studie zeigt einen klaren gesamtwirtschaftlichen Trend. Für den einzelnen Träger zählt nicht eine aus der Studie abgeleitete Pflegequote, sondern die eigene Attraktivität und die eigene Bindungskraft.
Der Beschluss, den ich vorbereite, hat deshalb drei Zeilen. Erstens: Rund 10 Prozent bis 2040 und 25 Prozent bis 2060 werden als Rückgang des gesamtwirtschaftlichen Erwerbspersonenpotenzials ohne ausreichende Zuwanderung festgehalten, Quelle Kubis und Schneider, Bertelsmann Stiftung 2024, Szenario, nicht Ist. Zweitens: 288.000 bis 368.000 Personen Netto-Zuwanderung pro Jahr bleiben eine Spanne für alle Branchen, nicht eine Zielzahl der Pflege. Drittens: Die Energie des Hauses geht in Bindung, Integration, Sichtbarkeit und neue Zielgruppen, also in das Beeinflussbare.
Wer darauf früh setzt, steht im härter werdenden Wettbewerb besser da als ein Träger, der auf eine politische Lösung der Gesamtwirtschaft wartet und bis dahin weder bindet noch sichtbar ist. Die Projektion wartet nicht auf den nächsten Aufsichtsrat. Wie dünn die Personaldecke im eigenen Haus schon heute ist, lese ich bei Bedarf im Beitrag zur Fachkraftquote in der Pflege nach. Diese Quote ist eine andere Quelle. Ich vermische sie nicht mit den 10 und den 25 Prozent.
Fragen, die ich vor der Abstimmung kläre
Welche Zuwanderung nennt die Studie bis 2040, und für wen gilt sie?
Kubis und Schneider rechnen 2024 für die Bertelsmann Stiftung mit einem jährlichen Netto-Zuwanderungsbedarf von rund 288.000 bis 368.000 Personen, wenn das Erwerbspersonenpotenzial stabil bleiben soll. Die Projektion ist gesamtwirtschaftlich, gilt für alle Branchen zusammen und bleibt ein Szenario unter Annahmen. Eine pflegespezifische Zahl ist das nicht, und gemessen ist es auch nicht.
Was bedeuten rund 10 Prozent bis 2040 und 25 Prozent bis 2060?
Die Projektion setzt das Erwerbspersonenpotenzial gesamtwirtschaftlich an. Ohne ausreichende Zuwanderung läge der Rückgang bei rund 10 Prozent bis 2040 und bei 25 Prozent bis 2060. Beide Werte beschreiben die Wirtschaft insgesamt, nicht die Pflege für sich. Für Einrichtungen wird es härter, weil Pflegenachfrage steigt, während der Arbeitskräftepool über alle Branchen schrumpft.
Ist Zuwanderung damit die Lösung des Pflegepersonalmangels?
Sie kann beitragen und trägt als einzelner Hebel nicht. Die Zahlen bleiben gesamtwirtschaftlich und hängen an Annahmen. Für ein Haus zählt am Ende weniger die Makro-Projektion als die eigene Attraktivität. Bindung, eine Integration internationaler Fachkräfte, die gelingt, und digitale Sichtbarkeit entscheiden mit, wer im engeren Wettbewerb noch Menschen findet.
Woher stammen die Zahlen, und wie vorsichtig lese ich sie vor?
Aus „Zuwanderung und Arbeitsmarkt – eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer“. Alexander Kubis (IAB) und Lutz Schneider haben sie vorgelegt, die Bertelsmann Stiftung hat sie 2024 herausgegeben. Gerechnet werden Szenarien zum Erwerbspersonenpotenzial der Gesamtwirtschaft. Es sind keine gemessenen Ist-Werte und keine Pflegequote. So vorsichtig gehören sie ins Protokoll.
So arbeite ich mit diesem Thema in fokus›KI
Sichtbar bleiben, während der gesamtwirtschaftliche Pool enger wird
Rund 10 Prozent bis 2040 und 25 Prozent bis 2060 sind keine Pflegequote, an der sich eine Kampagne aufhängt. Sie sind der Rahmen, in dem Bindung, Integration und Auffindbarkeit entscheiden. fokus›KI verbindet Arbeitgeberauftritt und Sichtbarkeit. Den Rahmen der Beratung setze ich in der Strategieberatung.
Primärquelle
- Kubis & Schneider (2024), Bertelsmann Stiftung — Zuwanderung und Arbeitsmarkt – eine Analyse für Deutschland und die Bundesländer (Szenarien zum Erwerbspersonenpotenzial)
Datenstand: Juli 2026
Die in diesem Beitrag genannten Statistiken stammen aus geprüften Primärquellen (Kubis & Schneider (2024), Bertelsmann Stiftung – Zuwanderung und Arbeitsmarkt) und wurden zuletzt im Juli 2026 überprüft. Neuere Ausgaben der Quellen arbeiten wir bei Erscheinen ein.
Die Projektion, nicht die heutige Personaldecke
Dieser Text bleibt bei der langfristigen Projektion: ohne ausreichende Zuwanderung schrumpft das Erwerbspersonenpotenzial, während die Pflege mehr Menschen braucht. Die Fachkraftquote beschreibt die heutige Decke. Die Pflegebedürftigkeit in Zahlen den bisherigen Anstieg. Die Personalbemessung nach § 113c sagt, welche Qualifikationen die Stellenanzeigen künftig ansprechen.
Was ein Haus daraus für die nächsten zwölf bis vierundzwanzig Monate macht, ist Gegenstand der Strategieberatung.
Über den Autor
Giovanni Bruno
Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus›KI (interner Prototyp). Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen, von der Karriereseite bis zur Kampagne.