Fachkraftquote in der Pflege: wie dünn die Personaldecke wirklich ist
Auf 100 Pflegebedürftige kommen in vollstationären Einrichtungen nur rund 33,6 Pflegefachkräfte – in Vollzeit gerechnet sogar bloß 25,7. Und ambulant ist weniger als die Hälfte der Beschäftigten examiniert. Als Berater ordne ich ein, was diese Zahlen über die Knappheit der wichtigsten Ressource verraten – und warum sie jede Recruiting-Entscheidung prägen.
Stand:
Wie dünn ist die Personaldecke in der Pflege wirklich?
In vollstationären Einrichtungen kamen Ende 2023 auf 100 Pflegebedürftige nur rund 33,6 Pflegefachkräfte – in Vollzeitäquivalenten sogar bloß 25,7. In der teilstationären Versorgung ist die Decke mit rund 8,4 Vollzeit-Fachkräften je 100 noch weit dünner. Und ambulant ist weniger als die Hälfte der Beschäftigten examiniert (41,8 Prozent in Köpfen, 44,8 Prozent in Vollzeitäquivalenten). Die examinierte Fachkraft ist damit die knappste Ressource überhaupt – jede Einstellung zählt, jeder Abgang schmerzt.
25,7 VZÄ je 100
Pflegefachkräfte (in Vollzeitäquivalenten) je 100 Pflegebedürftige in vollstationären Einrichtungen 2023 – in Köpfen 33,6
BARMER Pflegereport 2025
Für Leitung & Geschäftsführung
- Vollstationär: nur 33,6 Pflegefachkräfte je 100 Pflegebedürftige, in Vollzeit gerechnet 25,7 (2023).
- Teilstationär ist die Decke noch dünner – rund 8,4 Vollzeit-Fachkräfte je 100.
- Ambulant ist weniger als die Hälfte der Beschäftigten examiniert – die Fachkraft ist die knappste Ressource.
Die Zahl: 33,6 Fachkräfte je 100 – in Vollzeit nur 25,7
Ende 2023 wurden in ausschließlich vollstationären Einrichtungen rund 718.000 Pflegebedürftige versorgt. Auf je 100 von ihnen kamen 33,6 Pflegefachkräfte – rechnet man die Teilzeit heraus und misst in Vollzeitäquivalenten, sind es nur noch 25,7. Das ist die nüchterne Personaldecke hinter dem, was viele Teams als Dauerbelastung erleben.
Noch deutlicher wird die Knappheit im Vergleich der Versorgungsformen. In der teilstationären Pflege kommen nur rund 8,4 Vollzeit-Fachkräfte auf 100 Pflegebedürftige – ein Bruchteil des vollstationären Werts. Wer über „die" Fachkraftquote spricht, verfehlt die Wirklichkeit: Sie ist je nach Versorgungsform grundverschieden.
Weniger als die Hälfte ist examiniert
Dünn ist die Decke nicht nur in der Zahl, sondern auch in der Qualifikation. In der ambulanten Pflege ist weniger als die Hälfte der Beschäftigten examiniert – 41,8 Prozent gemessen in Köpfen, 44,8 Prozent in Vollzeitäquivalenten. Der übrige, größere Teil entfällt auf Assistenz- und Hilfskräfte.
Das ist keine Schwäche, sondern gelebter Qualifikationsmix – aber es macht unmissverständlich klar, wie knapp die examinierte Fachkraft ist. Wer sie hält und gewinnt, verschafft sich einen echten Vorsprung. Was die verbindliche Personalbemessung daraus macht, habe ich in der Analyse zu § 113c ausgeführt.
| Gemessen | Examinierte Pflegekräfte (ambulant) |
|---|---|
| in Köpfen | 41,8 % |
| in Vollzeitäquivalenten | 44,8 % |
Was diese dünne Decke im Alltag bedeutet
Zahlen wie diese sind im Dienstplan spürbar. Wenn auf 100 Pflegebedürftige nur rund 26 Vollzeit-Fachkräfte kommen, hat jeder Ausfall Gewicht, jede offene Stelle drückt spürbar, und Überlastung ist selten Ausnahme, sondern Struktur. Das erklärt, warum Bindung und Gesundheit der vorhandenen Kräfte so entscheidend sind.
Für Träger heißt das: Die vorhandene Mannschaft ist das kostbarste Gut. Wer sie schützt, entwickelt und wertschätzt, gewinnt doppelt – weniger Fluktuation und eine glaubwürdigere Arbeitgebermarke, die wiederum das Recruiting erleichtert. Die dünne Decke ist damit kein Grund zur Resignation, sondern das stärkste Argument für konsequente Mitarbeiterbindung.
Was das fürs Recruiting heißt
Aus der Knappheit folgt eine klare Priorität: Jede examinierte Fachkraft, die man gewinnt oder hält, ist überproportional wertvoll. Recruiting darf sich deshalb nicht auf Masse verlassen, sondern muss gezielt und glaubwürdig die wenigen richtigen Menschen erreichen – und der Qualifikationsmix eröffnet zusätzliche Wege über Assistenz- und Hilfskräfte.
Konkret bedeutet das, die Ansprache auf die tatsächlich knappen Profile zuzuschneiden und die eigene Attraktivität sichtbar zu machen, bevor jemand aktiv sucht. Wie stark der Personalbedarf insgesamt wächst, zeigt die Analyse zu den Pflegebedürftigen in Zahlen – zusammen ergeben beide das ganze Bild aus Bedarf und Knappheit.
Meine Einordnung: Knappheit ist ein Argument, kein Schicksal
Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, wie leicht solche Zahlen entmutigen. Doch die Fachkraftquote ist vor allem eines: ein belastbares Argument dafür, Personalgewinnung und -bindung ganz oben auf die Agenda zu setzen. Sie belegt, dass es nicht um „nice to have" geht, sondern um die Grundlage der Versorgung selbst.
Mein Rat: Nutzen Sie die Zahl als Weckruf und als Kompass zugleich. Sie zeigt, wo der Hebel liegt – bei den Menschen, die schon da sind, und bei einer Ansprache, die genau die wenigen erreicht, die noch fehlen. Wer hier klug investiert, wird belohnt, weil der Wettbewerb dieselbe Knappheit spürt, aber selten ebenso konsequent handelt.
Häufige Fragen
Wie viele Pflegefachkräfte gibt es je 100 Pflegebedürftige?
In vollstationären Einrichtungen kamen Ende 2023 auf 100 Pflegebedürftige rund 33,6 Pflegefachkräfte – umgerechnet in Vollzeitäquivalente nur 25,7. In der teilstationären Versorgung ist die Decke noch deutlich dünner (rund 8,4 Vollzeit-Fachkräfte je 100). Die Personaldecke ist also dünn und je nach Versorgungsform sehr unterschiedlich.
Sind alle Beschäftigten in der Pflege examinierte Fachkräfte?
Nein, bei Weitem nicht. In der ambulanten Pflege ist weniger als die Hälfte der Beschäftigten examiniert – 41,8 Prozent gemessen in Köpfen und 44,8 Prozent in Vollzeitäquivalenten. Der Rest verteilt sich auf Assistenz- und Hilfskräfte. Das unterstreicht, wie wertvoll und knapp die examinierte Fachkraft tatsächlich ist.
Warum ist die Fachkraftquote fürs Recruiting so wichtig?
Weil sie zeigt, wie knapp die entscheidende Ressource ist. Wenn auf 100 Pflegebedürftige nur rund 26 Vollzeit-Fachkräfte kommen, ist jede zusätzliche Einstellung wertvoll – und jeder Abgang schmerzhaft. Recruiting und Mitarbeiterbindung sind damit keine Nebenaufgaben, sondern existenziell für die Versorgungssicherheit.
Ist die Personaldecke überall gleich dünn?
Nein. Zwischen den Versorgungsformen gibt es große Unterschiede: vollstationär deutlich mehr Personal je 100 Pflegebedürftige als teilstationär. Diese Unterschiede sollten in die Personalstrategie einfließen – pauschale Vergleiche über alle Versorgungsformen hinweg führen leicht in die Irre.
So arbeiten Sie mit diesem Thema in fokus>KI
Die knappste Ressource halten und gezielt gewinnen
Wenn jede Fachkraft zählt, muss Personalmarketing die wenigen Richtigen erreichen – und die vorhandene Mannschaft sichtbar wertschätzen. fokus>KI hilft, genau dort präsent zu sein, wo Ihre Zielgruppe sucht, und die Arbeitgebermarke glaubwürdig zu machen. Den Rahmen dazu setzt meine Digitalberatung.
Primärquelle
- BARMER Pflegereport 2025 — Personal nach Qualifikationsniveau und Relation je 100 Pflegebedürftige (Tabelle 2.15)
Datenstand: Juli 2026
Die in diesem Beitrag genannten Statistiken stammen aus geprüften Primärquellen (BARMER Pflegereport 2025) und wurden zuletzt im Juli 2026 überprüft. Neuere Ausgaben der Quellen arbeiten wir bei Erscheinen ein.
Über den Autor
Giovanni Bruno
Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus>KI. Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen – über 160 Projekte, von der Karriereseite bis zur Millionen-Reichweite.