Pflegebedürftigkeit in Zahlen: +2,12 Millionen – und der Befund, der viele überrascht
Die Zahl der Pflegebedürftigen ist in nur sechs Jahren um über zwei Millionen gestiegen. Der Handlungsdruck ist also in Zahlen gegossen – aber die eigentliche Überraschung steckt in der Ursache. Denn der Anstieg geht kaum auf die Alterung zurück. Als Berater ordne ich ein, was diese beiden Befunde zusammen für Ihre Personalplanung bedeuten.
Stand:
Wie stark ist die Zahl der Pflegebedürftigen gestiegen – und warum?
Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist von 3,43 Millionen (2017) auf 5,69 Millionen (Ende 2023) gestiegen – ein Plus von rund 2,12 Millionen in sechs Jahren. Der überraschende Befund: Dieser Anstieg ist kaum demografisch bedingt. Vom Zuwachs der Pflegeprävalenz um 3,03 Prozentpunkte zwischen 2015 und 2023 gehen nur 0,44 Prozentpunkte auf die Alterung zurück. Der Personalbedarf wächst also schneller und weniger vorhersehbar, als eine reine Alterskurve nahelegt – ein starkes Argument für vorausschauendes Recruiting.
+2,12 Mio
mehr Pflegebedürftige in nur sechs Jahren (3,43 Mio 2017 → 5,69 Mio Ende 2023)
BARMER Pflegereport 2025
Für Leitung & Geschäftsführung
- 5,69 Millionen Pflegebedürftige Ende 2023 – ein Plus von rund 2,12 Millionen gegenüber 2017.
- Der kontraintuitive Befund: Vom Prävalenzanstieg 2015–2023 sind nur 0,44 von 3,03 Prozentpunkten demografisch bedingt.
- Konsequenz: Der Personalbedarf wächst strukturell und sprunghaft – Recruiting ist Daueraufgabe, nicht Kampagne.
Die Zahl: über zwei Millionen mehr in sechs Jahren
Manche Entwicklungen sieht man erst, wenn man die Zahlen nebeneinanderlegt. Ende 2017 galten in Deutschland rund 3,43 Millionen Menschen als pflegebedürftig; Ende 2023 waren es 5,69 Millionen. Das ist ein Zuwachs von etwa 2,12 Millionen in nur sechs Jahren – eine Größenordnung, die den Bedarf der gesamten Langzeitpflege neu definiert.
Für Träger ist das mehr als eine abstrakte Statistik. Jeder zusätzliche Pflegebedürftige bedeutet zusätzlichen Versorgungsbedarf und damit zusätzlichen Personalbedarf. Der Handlungsdruck, den viele im Alltag spüren, ist hier schwarz auf weiß belegt – und er wird nicht kleiner.
Der überraschende Befund: Es ist kaum die Alterung
Fast reflexhaft schreibt man den Anstieg der alternden Gesellschaft zu. Doch die Daten widersprechen: Von den 3,03 Prozentpunkten, um die die Pflegeprävalenz zwischen 2015 und 2023 gestiegen ist, sind lediglich 0,44 Prozentpunkte demografisch bedingt. Der weitaus größere Teil des Anstiegs hat andere Ursachen.
Das ist kontraintuitiv – und genau deshalb wichtig. Wer den Zuwachs für ein rein demografisches, langsam berechenbares Phänomen hält, unterschätzt seine Dynamik. Tatsächlich ist die Pflegebedürftigkeit stärker von Entscheidungen und Zugang geprägt, als die Alterskurve vermuten lässt. Sie kann sprunghafter wachsen – und tut es.
Was den Anstieg wirklich treibt
Wenn nicht primär die Alterung, was dann? Der wesentliche Treiber liegt in ausgeweiteten Leistungen und einem erleichterten Zugang zu Pflegeleistungen: Mehr Menschen mit Anspruch, niedrigere Schwellen, ein breiteres Verständnis von Pflegebedürftigkeit. Der Kreis derer, die als pflegebedürftig gelten und Leistungen in Anspruch nehmen, ist gewachsen – zusätzlich zur reinen Bevölkerungsentwicklung.
Diese Ursache ist keine Nebensächlichkeit, sondern der Kern der Planungsfrage. Denn während die Demografie berechenbar ist, sind politische Weichenstellungen es nicht im gleichen Maße. Der Personalbedarf hängt damit an Faktoren, die sich schneller ändern können als eine Alterskurve – ein Grund mehr, ihn nicht auf die lange Bank zu schieben.
Was das fürs Recruiting heißt
Die Verbindung beider Befunde ergibt eine klare Botschaft: Der Personalbedarf wächst nicht nur, er wächst strukturell und teils sprunghaft. Für Träger heißt das, Recruiting nicht als gelegentliche Kampagne zu begreifen, sondern als Daueraufgabe mit fester Struktur – sichtbar sein, wenn gesucht wird, und attraktiv sein, bevor gesucht wird.
Und es heißt, den Bedarf differenziert zu planen. Wer genau hinschaut, wen die wachsende Versorgung wirklich verlangt, rekrutiert gezielter – ein Gedanke, den ich in der Personalbemessung nach § 113c weiterführe, wo sich der Mehrbedarf überraschend klar auf bestimmte Qualifikationsniveaus verteilt.
Meine Einordnung: Zahlen, die die Dringlichkeit begründen
Aus meiner Beratungspraxis weiß ich, dass abstrakte Dringlichkeit selten bewegt – belegbare Zahlen dagegen schon. Die 2,12 Millionen zusätzlichen Pflegebedürftigen sind ein solches Argument: Sie machen aus dem gefühlten Fachkräftemangel eine belegte, wachsende Größe, mit der sich Prioritäten und Budgets begründen lassen.
Mein Rat: Nutzen Sie diese Zahlen nicht, um Betroffenheit zu erzeugen, sondern um Entscheidungen zu untermauern. Wer intern erklären muss, warum Personalgewinnung und Arbeitgebermarke jetzt Priorität haben, findet hier den belastbaren Grund – und wer früh handelt, ist im Vorteil, wenn der Wettbewerb noch zögert.
Häufige Fragen
Wie viele Pflegebedürftige gibt es in Deutschland?
Ende 2023 waren es rund 5,69 Millionen Menschen – gegenüber 3,43 Millionen im Jahr 2017. In nur sechs Jahren ist die Zahl damit um rund 2,12 Millionen gestiegen. Das ist ein Zuwachs in einer Größenordnung, die den Personalbedarf der gesamten Langzeitpflege dauerhaft prägt.
Liegt der Anstieg an der alternden Gesellschaft?
Überraschenderweise kaum. Vom Anstieg der Pflegeprävalenz um 3,03 Prozentpunkte zwischen 2015 und 2023 sind nur 0,44 Prozentpunkte demografisch bedingt. Der weitaus größere Teil geht auf andere Ursachen zurück – vor allem auf ausgeweitete Leistungen und einen erleichterten Zugang zu Pflegeleistungen. Die Alterung erklärt den Sprung also nur zu einem kleinen Teil.
Was bedeutet das für den Personalbedarf?
Deutlich mehr Pflegebedürftige bedeuten deutlich mehr benötigtes Personal – und zwar unabhängig davon, ob die Ursache demografisch ist oder nicht. Der Bedarf ist real und wächst weiter. Für Träger heißt das: Der Wettbewerb um Personal verschärft sich strukturell, nicht vorübergehend. Recruiting wird damit zur Daueraufgabe, nicht zur Kampagne.
Warum ist der kontraintuitive Befund wichtig?
Weil er die Prioritäten verschiebt. Wer glaubt, der Anstieg sei rein demografisch, hält ihn für ein langsames, planbares Naturgesetz. Tatsächlich reagiert die Pflegeprävalenz stark auf politische Entscheidungen und veränderten Zugang – sie kann also schneller und sprunghafter wachsen, als eine reine Alterskurve vermuten ließe. Das macht vorausschauende Personalplanung noch wichtiger.
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Zahlen begründen die Dringlichkeit – die Antwort darauf ist sichtbares, messbares Personalmarketing. fokus>KI hilft, genau dort sichtbar zu werden, wo Ihre Zielgruppe sucht, und den Erfolg belegbar zu machen, statt auf gut Glück zu werben. Den strategischen Rahmen dazu setzt meine Digitalberatung.
Primärquellen
- BARMER Pflegereport 2025 — Prävalenz, Demografie-Zerlegung und Personalstruktur in der Pflege
- BARMER Pflegereport 2024 — Pflegerisiko und Pflegedauer als Hintergrund der Entwicklung
Datenstand: Juli 2026
Die in diesem Beitrag genannten Statistiken stammen aus geprüften Primärquellen (BARMER Pflegereport 2025) und wurden zuletzt im Juli 2026 überprüft. Neuere Ausgaben der Quellen arbeiten wir bei Erscheinen ein.
Über den Autor
Giovanni Bruno
Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus>KI. Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen – über 160 Projekte, von der Karriereseite bis zur Millionen-Reichweite.