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Arbeitgebermarke & BindungLesedauer: ca. 8 Minuten

Pflegebedürftigkeit, wie ich sie in die Strategiesitzung trage: +2,12 Millionen, und fast nichts davon ist die Alterung

Wenn ein Aufsichtsrat den Personalplan nur mit der Alterspyramide begründet, halte ich dagegen. Zwischen Ende 2017 und Ende 2023 sind aus 3,43 Millionen Pflegebedürftigen 5,69 Millionen geworden. Ich nehme beide Stichtage mit, und daneben die Zerlegung, die viele im Raum nicht erwarten.

Stand:

Welche Zahl und welche Ursache nehme ich mit in die Strategiesitzung?

Ende 2017: 3,43 Millionen Pflegebedürftige. Ende 2023: 5,69 Millionen. Dazwischen liegen rund 2,12 Millionen in sechs Jahren. Die Pflegeprävalenz legte von 2015 bis 2023 um 3,03 Prozentpunkte zu; auf die Alterung gehen davon 0,44 Prozentpunkte, auf andere Ursachen 2,59. Der Personalbedarf wächst damit schneller und weniger im Takt einer Alterskurve, als das Gremium oft annimmt. Deshalb argumentiere ich für dauerhafte Personalgewinnung und gegen eine Kampagne.

+2,12 Mio

mehr Pflegebedürftige in nur sechs Jahren (3,43 Mio 2017 → 5,69 Mio Ende 2023)

BARMER Pflegereport 2025, Rothgang u. a., 20. November 2025

Für Leitung & Geschäftsführung

  • 5,69 Millionen Pflegebedürftige Ende 2023, rund 2,12 Millionen mehr als die 3,43 Millionen Ende 2017.
  • Vom Prävalenzanstieg 2015–2023 sind 0,44 von 3,03 Prozentpunkten demografisch; 2,59 Prozentpunkte haben andere Ursachen.
  • Für den Personalplan heißt das: Der Bedarf ist schon da und kann sprunghaft weiterwachsen. Recruiting bleibt Daueraufgabe.

Die zwei Stichtage, mit denen ich die Sitzung eröffne

Ich lege nicht eine Zahl auf den Tisch, sondern zwei Stichtage nebeneinander. Ende 2017 galten rund 3,43 Millionen Menschen als pflegebedürftig. Ende 2023 waren es 5,69 Millionen. Der Abstand beträgt rund 2,12 Millionen in sechs Jahren. Diese Spanne ist groß genug, dass ein Gremium aufhört, den Fachkräfteengpass als Stimmung zu behandeln, und anfängt, ihn als bereits eingetretene Größe zu führen.

Für einen Träger ist das keine ferne Projektion. Jeder zusätzliche Pflegebedürftige ist Versorgungsbedarf, und Versorgungsbedarf ist Personalbedarf. Ich übersetze die 2,12 Millionen deshalb nicht in eine Betroffenheitsfolie, sondern in eine Frage an den eigenen Plan: Welche Schichten, welche Qualifikationen und welche Standorte tragen diesen Zuwachs schon heute, und welche tun so, als käme er erst mit der nächsten Alterskohorte?

Der BARMER Pflegereport 2025 ist die Quelle, die ich im Protokoll nenne. Den Pflegereport 2024 lege ich daneben, wenn das Gremium nach dem längeren Hintergrund von Risiko und Dauer fragt. Beide Berichte bleiben Primärquellen. Ich erfinde keine dritte Zahl zwischen den Stichtagen, nur damit die Kurve glatter aussieht.

Pflegebedürftige in Deutschland
20173,43 Mio
Ende 20235,69 Mio

Warum ich die Alterung aus der Begründung streiche

Der Reflex im Raum ist schnell da: Die Gesellschaft wird älter, also steigen die Pflegezahlen. Ich lasse diesen Satz stehen, bis die Zerlegung auf dem Tisch liegt. Zwischen 2015 und 2023 nahm die Pflegeprävalenz um 3,03 Prozentpunkte zu. Demografisch sind davon 0,44 Prozentpunkte. Andere Ursachen tragen 2,59 Prozentpunkte. Wer danach die Strategie noch auf die Alterspyramide stellt, argumentiert am größeren Teil der Bewegung vorbei.

Das ist unbequem, und genau deshalb nehme ich es mit. Eine Alterskurve fühlt sich planbar an. Sie suggeriert, der Träger könne den Personalaufbau in gleichmäßigen Jahresraten hinterherziehen. Die Zerlegung sagt etwas anderes: Der größere Teil der Prävalenz reagiert auf Leistungen und auf den Zugang zu diesen Leistungen. Solche Ursachen können sich schneller bewegen als Geburtsjahrgänge. Ein Aufsichtsrat, der nur die 0,44 Prozentpunkte plant, unterschätzt das Tempo.

Ich zeichne deshalb keine beruhigende Demografie-Folie. Ich zeichne zwei Balken und lasse das Missverhältnis wirken. 0,44 gegen 2,59. Danach ist die Diskussion über „später reagieren“ meist beendet, ohne dass ich sie moralisch führen muss.

Anstieg der Pflegeprävalenz 2015–2023: woher er kommt
Demografisch bedingt0,44 Prozentpunkte
Andere Ursachen (Leistungen, Zugang)2,59 Prozentpunkte

Was hinter den 2,59 Prozentpunkten steht, wenn das Gremium nachhakt

Die Nachfrage kommt zuverlässig: Wenn nicht die Alterung, was dann? Ich bleibe bei dem, was die Berichte hergeben, und erfinde keine Gewichtung, die dort nicht steht. Der wesentliche Treiber der anderen Ursachen liegt in ausgeweiteten Leistungen und einem erleichterten Zugang. Mehr Menschen haben einen Anspruch, die Schwelle ist niedriger, das Verständnis von Pflegebedürftigkeit ist breiter geworden. Der Kreis der Menschen, die Leistungen in Anspruch nehmen, ist gewachsen, zusätzlich zur Bevölkerungsentwicklung.

Für die Sitzung ist diese Unschärfe kein Mangel, sondern der Planungsauftrag. Demografie lässt sich in Kohorten rechnen. Politische Weichen und ein veränderter Zugang lassen sich nicht mit derselben Ruhe fortschreiben. Der Personalbedarf hängt damit an Faktoren, die sich schneller drehen können als eine Alterskurve. Ich rate dem Gremium, diese Beweglichkeit in den Plan einzupreisen, statt sie als Restposten unter die 0,44 Prozentpunkte zu schieben.

Konkret heißt das: Szenarien bauen, nicht eine Linie. Ein Szenario, in dem der Zugang so bleibt wie zwischen 2015 und 2023. Ein zweites, in dem eine neue Leistungsregel den Kreis noch einmal erweitert. Beide Szenarien brauchen Personal. Keines von beiden wartet, bis die nächste Alterskohorte ins hohe Alter kommt. Die 2,12 Millionen sind schon im Bestand.

Was ich daraus für den Personalplan ableite

Die Verbindung beider Befunde formuliere ich als Auftrag, nicht als Stimmung. Der Personalbedarf wächst, und er wächst strukturell und stellenweise sprunghaft. Recruiting als gelegentliche Kampagne passt nicht zu einer Größe, die in sechs Jahren um 2,12 Millionen Menschen zugelegt hat. Ich verlange eine feste Struktur: sichtbar sein, wenn gesucht wird, und als Arbeitgeber erkennbar sein, bevor die Stelle überhaupt ausgeschrieben ist.

Differenzierung gehört in denselben Plan. Mehr Pflegebedürftige bedeuten nicht automatisch dieselbe Mischung an Qualifikationen an jedem Standort. Wer genau hinsieht, wen die wachsende Versorgung verlangt, besetzt gezielter. Diesen Gedanken führe ich in der Personalbemessung nach § 113c weiter, weil sich der Mehrbedarf dort auf Qualifikationsniveaus verteilt und nicht als eine einzige „Fachkraft“-Zeile stehen bleibt.

In der Sitzung trenne ich außerdem zwei Diskussionen, die gern ineinanderfallen. Die eine handelt von der gesellschaftlichen Ursache, die andere vom eigenen Stellenplan. Die Ursache erklärt, warum der Druck nicht gemächlich bleibt. Der Stellenplan sagt, welche Rollen der Träger in den nächsten zwölf Monaten tatsächlich ausschreiben, binden und finanzieren kann. Ohne diese Trennung endet die Runde bei der Alterung und ohne Beschluss.

Welche Entscheidung ich vom Gremium verlange

Ich verlasse solche Runden ungern mit einem Nicken zur „Dringlichkeit“. Dringlichkeit ohne Beschluss ist eine Folie. Der Beschluss, den ich vorbereite, hat drei Teile. Erstens: Die 3,43 Millionen und die 5,69 Millionen werden als Bezugsgrößen der Personalstrategie festgehalten, mit dem Plus von 2,12 Millionen und mit der Quellenangabe BARMER Pflegereport 2025. Zweitens: Die Begründung verzichtet darauf, den Anstieg allein demografisch zu nennen. 0,44 von 3,03 Prozentpunkten, Zeitraum 2015 bis 2023, Rest 2,59. Drittens: Personalgewinnung und Arbeitgeberauftritt bekommen ein laufendes Budget, nicht ein Kampagnenfenster.

Die Zahlen taugen dazu, Prioritäten zu begründen, nicht dazu, den Raum zu lähmen. Wer intern erklären muss, warum die Arbeitgebermarke jetzt Vorrang vor der nächsten Imagebroschüre hat, findet in den 2,12 Millionen den belegbaren Grund. Wer früh handelt, steht besser da, wenn andere Träger denselben Bericht erst lesen, sobald die nächste Vakanz weh tut. Den Auftritt, der dazu gehört, führe ich im Beitrag zur Arbeitgebermarke in der Pflege aus. Hier bleibt die strategische Vorarbeit: die Zahlen so in den Raum stellen, dass ein Beschluss möglich wird.

Was ich nicht tue: eine eigene Prognose erfinden, wie viele der 2,59 Prozentpunkte im nächsten Jahr politisch wieder zurückgedreht werden. Das weiß der Bericht nicht, und ich tue nicht so. Meine Rolle in der Sitzung ist, die vorhandene Zerlegung auszuhalten und den Personalplan daran auszurichten. Alles andere wäre eine bequemere Geschichte, und bequeme Geschichten sind in diesem Gremium das eigentliche Risiko.

Fragen, die nach den beiden Balken kommen

Welche zwei Stichtage lege ich dem Gremium vor?

Ende 2017 stehen rund 3,43 Millionen Pflegebedürftige, Ende 2023 stehen 5,69 Millionen. Der Abstand beträgt rund 2,12 Millionen Menschen in sechs Jahren. Mit dieser Spanne eröffne ich, nicht mit einer einzelnen Jahreszahl. Quelle im Protokoll: BARMER Pflegereport 2025.

Kann ich den Anstieg mit der Alterung erklären?

Nur zu einem kleinen Teil. Zwischen 2015 und 2023 stieg die Pflegeprävalenz um 3,03 Prozentpunkte. Davon sind 0,44 Prozentpunkte demografisch. Die restlichen 2,59 Prozentpunkte kommen aus anderen Ursachen, vor allem aus ausgeweiteten Leistungen und einem erleichterten Zugang. Die Alterung trägt den Sprung nicht.

Was folgt daraus für den Personalbedarf, wenn die Ursache nicht die Alterskurve ist?

Versorgt werden müssen 2,12 Millionen Menschen mehr. Das macht den Bedarf real, ganz gleich, ob die Ursache demografisch ist. Weil Leistungen und Zugang die Prävalenz bewegen, kann der Bedarf sprunghafter wachsen, als eine Alterskurve nahelegt. Personalgewinnung bleibt damit eine Daueraufgabe des Hauses, kein Quartalsprojekt.

Warum nehme ich den kontraintuitiven Befund überhaupt mit in den Aufsichtsrat?

Weil er verschiebt, was Priorität bekommt. Wer den Anstieg für ein langsames Naturgesetz hält, schiebt Personalgewinnung nach hinten. 0,44 gegen 2,59 zeigt, dass der größere Teil nicht im Takt der Alterung läuft. Planung wird dadurch dringlicher und gerade nicht bequemer.

So arbeite ich mit diesem Thema in fokus›KI

Aus dem Beschluss ein Personalmarketing machen, das sich messen lässt

Die 2,12 Millionen begründen, warum das Gremium handeln muss. Was danach zählt, ist sichtbares Personalmarketing mit nachvollziehbarem Ergebnis. fokus›KI hilft, dort aufzutauchen, wo die Zielgruppe sucht, und den Aufwand belegbar zu halten. Den strategischen Rahmen dazu setze ich in der Digitalberatung.

Primärquellen

Datenstand: Juli 2026

Die in diesem Beitrag genannten Statistiken stammen aus geprüften Primärquellen (BARMER Pflegereport 2025) und wurden zuletzt im Juli 2026 überprüft. Neuere Ausgaben der Quellen arbeiten wir bei Erscheinen ein.

Der Anstieg der Pflegebedürftigkeit, nicht die Finanzierung und nicht die Quote

Von 3,43 auf 5,69 Millionen in sechs Jahren, und der Befund, dass der Anstieg kaum auf die Alterung zurückgeht. Die Finanzierung zeigt Beitragssätze und Eigenanteile. Die Fachkraftquote die dünne Decke. Pflegende Angehörige die Gruppe, in der ein großer Teil dieses Anstiegs zu Hause versorgt wird.

Was das für die Personalstrategie eines Hauses heißt, sortiert die Strategieberatung.

Giovanni Bruno

Über den Autor

Giovanni Bruno

Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus›KI (interner Prototyp). Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen, von der Karriereseite bis zur Kampagne.