Serviceroboter in der Pflege: was Navel und Temi im Praxistest zeigen
Kaum ein Bild wird auf Fachmessen so gern gezeigt wie der freundliche Roboter im Pflegeheim. Doch was leisten Serviceroboter wie Navel und Temi tatsächlich? Als Berater ordne ich nüchtern ein, was die beiden sehr unterschiedlichen Systeme können, wo ihre Grenzen liegen – und warum über den echten Nutzen fast immer die Passung entscheidet, nicht die Technik.
Stand:
Was leisten Serviceroboter wie Navel und Temi in der Pflege?
Serviceroboter können in klar umrissenen Aufgaben punktuell entlasten – auf sehr unterschiedliche Weise. Navel ist ein sozialer Interaktionsroboter, der über Sprache und Mimik anspricht und aktiviert; Temi ist ein mobiler Assistenzroboter, der navigiert, Botengänge übernimmt und Videotelefonie ermöglicht. Beide ersetzen keine Pflegekraft. Die empirische Erprobung in Pflegeeinrichtungen bestätigt das Muster aller Pflegetechnik: partieller, echter Nutzen bei einzelnen Anwendungen, daneben klare Grenzen bei der Integration in den Alltag. Entscheidend ist die Passung, nicht das Gerät.
Für Leitung & Geschäftsführung
- Navel und Temi stehen für zwei Typen: sozialer Interaktionsroboter und mobiler Assistenzroboter.
- Beide können punktuell entlasten, ersetzen aber keine Pflegekraft.
- Über den Nutzen entscheidet die Passung zu Aufgabe, Ort und Team – nicht die Technik selbst.
Was Serviceroboter wirklich können – und was nicht
Der Begriff „Serviceroboter" verdeckt, wie unterschiedlich diese Systeme sind. Navel etwa ist ein sozialer Roboter: Er kommuniziert über Sprache, nutzt Displays für eine ausdrucksstarke Mimik und ist bewusst so gestaltet, dass er Akzeptanz und Vertrauen weckt, statt befremdlich zu wirken. Sein Zweck ist Ansprache, Aktivierung und Wohlbefinden – nicht das Erledigen körperlicher Arbeit.
Temi steht für den anderen Pol: ein mobiler Assistenzroboter, der eigenständig durch die Einrichtung navigiert, kleine Botengänge übernehmen und per Video Menschen verbinden kann. Beide Systeme haben ihren Platz – aber keiner von ihnen ersetzt die Pflegekraft. Sie können sie in abgegrenzten Aufgaben ergänzen, mehr nicht. Genau dieses realistische Bild ist der Ausgangspunkt jeder guten Entscheidung.
Navel und Temi im Vergleich
Weil die beiden Systeme so verschiedene Aufgaben bedienen, lohnt der direkte Vergleich. Er zeigt, dass die Frage nie „Roboter ja oder nein?" lautet, sondern „welcher Roboter für welche konkrete Aufgabe – und passt die Umgebung dazu?".
| Merkmal | Navel | Temi |
|---|---|---|
| Typ | sozialer Interaktionsroboter | mobiler Assistenzroboter |
| Stärke | Ansprache und Aktivierung über Sprache und Mimik | Navigation, Botengänge, Videotelefonie |
| Grenze | ersetzt keine menschliche Zuwendung | nur nützlich, wo Wege und Aufgaben passen |
Der entscheidende Faktor: Passung, nicht Technik
Warum scheitern so viele Roboterprojekte trotz beeindruckender Technik? Selten an den Geräten selbst. Der wiederkehrende Grund ist, dass die Systeme die tatsächlichen Bedarfe und Umstände vor Ort verfehlen: Wege sind zu eng, Türen und Aufzüge nicht darauf ausgelegt, das WLAN reicht nicht, oder die Akzeptanz bei Team und Bewohnenden fehlt. Wo diese Grundlagen nicht stimmen, bleibt selbst gute Technik wirkungslos.
Das ist dieselbe Lehre, die sich durch die gesamte Pflegetechnik zieht: Nicht das Gerät entscheidet über den Nutzen, sondern die Passung zu Aufgabe, Ort und Personal – und eine saubere Einführung. Ich habe diesen Zusammenhang im Realitätscheck der Pflegetechnik ausführlich eingeordnet.
So führen Sie Serviceroboter sinnvoll ein
Wer einen Serviceroboter erwägt, sollte nicht mit dem Gerät beginnen, sondern mit der Aufgabe. Die folgenden drei Schritte trennen sinnvolle Projekte von teuren Enttäuschungen.
Serviceroboter einführen – in drei Schritten
- 1
Anwendungsfall definieren
Welche konkrete, wiederkehrende Aufgabe soll der Roboter übernehmen – Aktivierung, Ansprache oder Botengänge? Ohne klaren Zweck kein Nutzen.
- 2
Passung prüfen
Passen Wege, Türen, Netzabdeckung und Abläufe zum gewählten System? Ein sozialer Roboter stellt andere Anforderungen als ein mobiler Assistent.
- 3
Team und Bewohnende einbeziehen
Akzeptanz entscheidet. Frühzeitig erklären, ausprobieren lassen und begleiten – ein Roboter, den niemand nutzt, entlastet niemanden.
Meine Einordnung: nüchtern statt euphorisch
Aus meiner Beratungspraxis rate ich, Serviceroboter weder als Spielerei abzutun noch als Allheilmittel zu feiern. Für abgegrenzte Aufgaben und mit der richtigen Passung können sie echten Wert schaffen – etwa in der Aktivierung, wo ein Roboter wie Navel Menschen erreicht, für die sonst zu wenig Zeit bleibt.
Mein Rat: Klein anfangen, den Anwendungsfall scharf stellen und ehrlich prüfen, ob die Umgebung passt. Ein gut gewählter Roboter für eine klar umrissene Aufgabe ist mehr wert als das eindrucksvollste System, das im Lager verstaubt. Nüchternheit ist hier kein Zeichen von Skepsis, sondern die Voraussetzung dafür, dass Technik wirklich entlastet.
Häufige Fragen
Was können Serviceroboter wie Navel und Temi in der Pflege leisten?
Sie können punktuell entlasten – aber auf sehr unterschiedliche Weise. Navel ist ein sozialer Interaktionsroboter, der über Sprache und Mimik anspricht, aktiviert und das Wohlbefinden fördern soll. Temi ist ein mobiler Assistenzroboter, der eigenständig navigiert, kleine Botengänge übernehmen und Videotelefonie ermöglichen kann. Beide ersetzen keine Pflegekraft, sondern können sie in klar umrissenen Aufgaben ergänzen.
Ersetzen Serviceroboter Pflegekräfte?
Nein. Die menschliche Zuwendung, das fachliche Urteil und die Beziehungsarbeit lassen sich nicht an einen Roboter delegieren. Serviceroboter sind Werkzeuge für abgegrenzte Aufgaben – Aktivierung, Ansprache, Botengänge –, nicht ein Ersatz für Personal. Wer sie als Personalersatz kauft, wird enttäuscht.
Warum scheitern Roboterprojekte in der Pflege häufig?
Selten an der Technik, meist an der Passung und der Einführung. Roboter verfehlen oft die tatsächlichen Bedarfe und Umstände vor Ort: Wege passen nicht, Abläufe sind nicht darauf ausgelegt, Akzeptanz bei Team oder Bewohnenden fehlt. Wo diese Grundlagen fehlen, bleibt selbst gute Technik wirkungslos.
Für welche Aufgaben eignen sich Serviceroboter am ehesten?
Für klar abgegrenzte, wiederkehrende Aufgaben mit passender Umgebung: soziale Aktivierung und Ansprache (eher ein Roboter vom Typ Navel) oder Transport- und Telepräsenz-Aufgaben auf gut befahrbaren Wegen (eher ein Roboter vom Typ Temi). Je konkreter der Anwendungsfall und je besser die Passung, desto eher entsteht echter Nutzen.
So arbeiten Sie mit diesem Thema in fokus>KI
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Zwischen Messe-Euphorie und echtem Nutzen liegt eine nüchterne Analyse. Genau darauf ist fokus>KI ausgelegt: KI-Software mit Beratung, die den Anwendungsfall, die Passung und die Einführung mitdenkt – statt nur ein Gerät zu verkaufen. Den Rahmen dazu setzt meine Digitalberatung.
Primärquellen
- Boenigk et al. (2025), Fachtagung Technik-Ethik-Gesundheit — Empirische Studie zu den Servicerobotern Navel und Temi in Pflegeeinrichtungen
- Wolf-Ostermann & Rothgang (2024), Bundesgesundheitsblatt — Digitale Technologien in der Pflege – der Nutzen hängt an der Implementierung
Über den Autor
Giovanni Bruno
Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus>KI. Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen – über 160 Projekte, von der Karriereseite bis zur Millionen-Reichweite.