Recruiting-Budget planen: vom Bedarf her rechnen
Die meisten Recruiting-Budgets entstehen rückwärts: „Was haben wir letztes Jahr ausgegeben?" Dieser Artikel dreht die Rechnung um – vom Einstellungsbedarf über die Bewerbungsquote zum Budget. Mit Beispielrechnung, Kanal-Verteilung und dem Kalender der Wechsel-Fenster.
Die Bedarfsrechnung: drei Zahlen, ein Budget
Ein belastbares Budget braucht keine Marktforschung, sondern drei Größen: Wie viele Einstellungen planen Sie? Wie viele Bewerbungen brauchen Sie erfahrungsgemäß für eine Einstellung? Und was kostet Sie eine Bewerbung – gemessen, nicht geschätzt, wie im Artikel „Was darf eine Bewerbung kosten?" hergeleitet. Mit unserer KI-Software rechnen wir das für Einrichtungen als Budget-Planer durch; ein Beispiel für einen mittelgroßen Träger:
Geplante Einstellungen (12 Monate)
6 Fachkräfte, 2 Hilfskräfte, 3 AzubisBewerbungen je Einstellung (Erfahrungswert)
ø 8Benötigte Bewerbungen
88Kosten pro Bewerbung (Mix, gemessen)
ø 48 €Jahres-Werbebudget
≈ 4.200 €Ausschnitt aus fokus>KI: Bedarfsrechnung eines Trägers mit elf geplanten Einstellungen – die Werte speisen sich aus den eigenen Messdaten
Rund 350 Euro pro Monat für elf Einstellungen – diese Zahl überrascht viele, die von Jobbörsen-Rechnungen anderes gewohnt sind. Sie gilt allerdings nur unter einer Bedingung: Das Fundament steht. Eine Karriereseite, die verwandelt, und gemessene Kanäle sind die Voraussetzung, dass die dritte Zeile der Rechnung – die Kosten pro Bewerbung – so niedrig bleibt. Ohne Fundament rechnet dieselbe Formel schnell das Drei- bis Fünffache aus.
Die Verteilung: Grundlast, Spitzen, Reserve
Ein Jahresbudget ist kein Topf, aus dem man schöpft, bis er leer ist – es ist ein Plan mit Struktur. Bewährt hat sich eine Vier-Teilung:
Ausschnitt aus fokus>KI: beispielhafte Verteilung – die Reserve verhindert, dass dringende Vakanzen den Plan sprengen
Die Logik dahinter: Die Grundlast – Google Ads auf die Dauerbedarfe plus Remarketing – läuft immer, weil aktiv Suchende jeden Tag suchen. Die Spitzen über Meta setzen dort an, wo Wechselbereitschaft saisonal steigt. Der Ausbildungs-Topf hat eigene Gesetze: Wer im Sommer Azubis will, wirbt ab Herbst des Vorjahres. Und die Reserve ist Führungsklugheit in Prozent – die plötzliche PDL-Kündigung kommt garantiert, nur der Termin ist offen.
Der Jahreskalender der Wechselbereitschaft
In unseren Auswertungen wiederholen sich die Muster Jahr für Jahr: Januar bis März ist das stärkste Wechsel-Fenster – Jahresendgespräche, Sonderzahlung mitgenommen, Vorsätze gefasst. September/Oktober bildet das zweite Fenster nach der Urlaubszeit, in der viele die Entscheidung reifen ließen. Der Hochsommer ist teuer erkauft: Wer im Juli wirbt, zahlt für Aufmerksamkeit, die am Badesee liegt. Die praktische Folge ist unbequem für die Kameralistik, aber wirksam: Das Budget gehört ungleich verteilt – verstärkt in die Fenster, gedrosselt in die Flauten.
Bei uns läuft die Steuerung inzwischen so: Der Budget-Planer legt die Monatsverteilung an, die Regie-Zentrale gleicht monatlich Plan und Ist ab – und meldet in Klartext, wenn ein Kanal aus dem Rahmen läuft oder ein Wechsel-Fenster naht, für das noch Material fehlt.
Das Gesamtbudget ehrlich rechnen: auch die Stunden zählen
Werbebudget ist nur ein Posten. Zur ehrlichen Jahresrechnung gehören Jobbörsen-Verträge (prüfen: Was hat die Flatrate pro Bewerbung tatsächlich gekostet?), Produktionskosten für Fotos und Videos, Software – und die internen Arbeitsstunden. Gerade der letzte Posten entscheidet über den Weg: Externe Agenturen rechnen typischerweise 100 bis 220 Euro pro Stunde ab; ein intern geführtes System mit KI-Unterstützung verschiebt dieselbe Arbeit auf einen Bruchteil der Stunden. Wer beide Wege einmal nebeneinander rechnet – Agentur-Retainer gegen Software plus zwei interne Wochenstunden –, trifft die Make-or-Buy-Entscheidung nicht mehr aus dem Bauch.
Häufige Fragen
Wie viel Budget ist für einen mittelgroßen Träger üblich?
Als Größenordnung aus unserer Beratungspraxis: Träger mit 100 bis 300 Mitarbeitenden landen häufig bei 1.000 bis 3.000 Euro Werbebudget pro Monat – abhängig davon, wie viele Stellen offen sind und wie stark der lokale Wettbewerb ist. Wichtiger als eine Branchenzahl ist die eigene Herleitung: Einstellungsbedarf mal Bewerbungen je Einstellung mal Kosten pro Bewerbung. Diese Rechnung passt sich Ihrem Haus an, keine Benchmark tut das.
Sollten wir das Budget gleichmäßig über das Jahr verteilen?
Nein – Wechselbereitschaft hat Jahreszeiten. Nach dem Jahreswechsel und nach den Sommerferien wird deutlich mehr gewechselt; wer für den Ausbildungsstart wirbt, muss viele Monate vorher präsent sein. Ein kluger Plan hält eine Grundlast das ganze Jahr und verstärkt in diesen Fenstern – statt im Dezember Restbudget zu verbrennen, das im Februar fehlt.
Was ist mit den Kosten jenseits der Werbung – zählt das zum Recruiting-Budget?
Unbedingt: Jobbörsen-Verträge, Software, externe Dienstleister, Foto- und Videoproduktion und die internen Arbeitsstunden gehören in die Gesamtrechnung. Gerade der Vergleich lohnt sich: Eine Agentur rechnet typischerweise 100 bis 220 Euro pro Stunde ab – wer weiß, was intern mit Systemunterstützung möglich ist, verhandelt anders.
Woher nehmen wir Budget, wenn die Geschäftsführung nicht mitzieht?
Mit der Vakanzkosten-Gegenrechnung: Eine unbesetzte Fachkraftstelle kostet über Leiharbeit, Mehrarbeit oder Belegungsstopp schnell mehrere hundert Euro pro Tag. Wer vorrechnet, dass 500 Euro Werbebudget eine Vakanz um Wochen verkürzen können, führt keine Kosten-Diskussion mehr, sondern eine Rendite-Diskussion. Genau diese Rechnung sollte am Anfang jedes Budget-Gesprächs stehen.
So arbeiten Sie mit diesem Thema in fokus>KI
Der Budget-Planer: vom Einstellungsbedarf zur Monatsverteilung – mit laufendem Plan-Ist-Abgleich
fokus>KI rechnet Ihr Budget vom Bedarf her: geplante Einstellungen, Ihre gemessenen Bewerbungsquoten und Kosten je Kanal ergeben den Jahresplan samt saisonaler Verteilung. Die Regie-Zentrale gleicht monatlich ab und meldet Abweichungen in Klartext – und die Vakanzkosten-Gegenrechnung für die Geschäftsführung liegt jederzeit einen Klick entfernt. Die Lizenz beginnt bei 2.500 € netto im Monat inklusive 8 Stunden Sparring – auch das eine planbare Zahl.
Über den Autor
Giovanni Bruno
Geschäftsführender Gesellschafter der fokus digital GmbH, Digitalspezialist und Entwickler der KI-Software fokus>KI. Berät seit 2017 Träger im Pflege- und Sozialwesen – über 160 Projekte, von der Karriereseite bis zur Millionen-Reichweite.